Kontaktdaten
Wir sind gerne für Sie da! Sie erreichen uns telefonisch unter 0049-911-521915-11 von Montag bis Freitag 08:00 - 18:00 Uhr oder über unser Kontaktformular.

Beitrag

Quicktipp: Fünf No-Gos in InDesign


InDesign ist ein mächtiges Werkzeug! Das professionelle Satz- und Layoutprogramm aus dem Hause Adobe bietet eine wahre Spielwiese für Typografieliebhaber, Gestalter und Anwender, die im Desktop-Publishing ihr Zuhause gefunden haben. Und obwohl InDesign eine unglaubliche Akrobatik beherrscht und sehr viele Einstellungsmöglichkeiten hat, bedeutet das nicht, dass alles auch sinnvoll ist. Vor allem im Bereich der Schriften, denn gute Typografie braucht gute Regeln! Und damit das Schriftbild sauber und ordentlich auftritt, folgen hier fünf No-Gos, die im Umgang mit Schriften vermieden werden sollten.

1 Deformation von Schriften: Wenn man sich vorstellt, dass Typografen in penibler Kleinarbeit ihre Schriften (und zugehörige Schriftschnitte) kreieren und monate- oder jahrelang feinschleifen, ist es wahrlich ein Verbrechen, diese formvollendeten und optimierten Kunstwerke manuell “nachzubessern” … Was ist damit gemeint? Es gilt, in nahezu jeder Hinsicht darauf zu verzichten, Schriften manuell zu verformen oder zu skalieren oder sie zu dehnen und zu verzerren. Ich habe schon Anwender gesehen, die mit Schriften umgegangen sind, als wären sie beim Aerobic-Kurs oder Teilnehmer einer engagierten Yoga-Gruppe.

Wer sein vorliegendes Schriftbild charakterisieren und aufpeppen will, greift in erster Linie auf sogenannte Schriftschnitte zurück, derer man sich bedienen kann. Gut ausgebaute Schriftfamilien können gerne 20 oder mehr unterschiedliche Schnitte beinhalten, die sich alle in ihrer Anmutung unterscheiden, aber die Grundstruktur der Schrift wahren. Überschriften werden also nicht mit einem Klick auf Fett zu dicken Schriften erhoben, sondern hier setzt man auf die vom Typografen angedachten Bold-, Semibold- oder Black-Schnitte. Auch das rechnerische Kursivsetzen mit einem Klick ist unter Typografen verpönt, da es hierfür passende Schnitte wie Italic oder Oblique gibt. Das Gleiche gilt für Kapitälchen, die man per Knopfdruck vom Programm erzeugen lassen kann … Bitte nicht.

Schriftschnitte

2. Den Blocksatz einsperren: Es gibt verschiedene Arten, den Text auszurichten. Eine sehr beliebte ist der Blocksatz, der aber immerzu etwas störrisch daherkommt, denn will man ein ästhetisches und solides Gesamtbild haben, ist es notwendig, den Blocksatz einem Feinschliff zu unterziehen. Ein einfacher Klick auf das Symbol für den Blocksatz reicht häufig nicht aus. Besonders dann, wenn nur eine geringe Zeilenbreite zur Verfügung steht! Die Problematik ist nämlich, dass das Programm automatisch versucht, die Zeilen vollständig auszunutzen und den Überschuss durch Leerraum zu befüllen. Das Resultat sind Löcher so groß wie Flughäfen, die sich auch so schimpfen. Wie kann InDesign also die Länge einer Zeile auffüllen, ohne einfach fiktive Buchstaben einzusetzen?

Hierfür gibt es drei Variablen, mit denen man arbeiten kann: Wortabstände, Zeichenabstände und Zeichenbreite. Wie wir aber schon weiter oben gelesen haben, sollte man Schriften nicht deformieren, also fällt die Anpassung der Zeichenbreite flach, denn das verfälscht den Buchstaben. Zeichenabstände und Wortabstände hingegen sind genau die Stellschrauben, bei denen wir uns bedienen. Hierfür bieten Absatzformate die passende Möglichkeit, Einstellungen zu machen – ganz konkret im linken Reiter namens Abstände. Der Wert Optimal beschreibt, wie der unveränderte Wortabstand aussehen soll. Minimal definiert, wie weit der Wortzwischenraum verringert werden darf. Maximal im Umkehrschluss, um wie viel dieser verbreitert wird. Das Gleiche gilt für den Zeichenabstand. Eine Orientierung könnte also wie folgt aussehen:

  • Wortabstand 75% – 100% – 135%
  • Zeichenabstand -10% – 0% – 10%
  • Glypenskalierung 100% – 0% – 100%

Probiert es aus und ihr werdet sehen, dass sich euer Schriftbild maßgeblich verbessert!

blocksatz

3. Schusterjungen und Hurenkinder: Zugegeben, derartige Begrifflichkeiten lassen einen erst mal skeptisch dreinblicken, also klären wir zügig, was es mit diesen dubiosen Anschuldigungen auf sich hat. Wir kriechen nun tief in den Kaninchenbau des professionellen Schriftsatzes. Wenn die letzte Zeile eines Absatzes durch einen Seitenwechsel von dem Mengentext der Vorderseite getrennt wird und auf der Folgeseite ein kleines Überbleibsel hängenbleibt, haben wir ein Hurenkind. Sprich: Die letzte Zeile eines Absatzes bildet den Anfang einer neuen Spalte oder einer darauffolgenden Seite. Ein sehr unschöner Zeitgenosse und verschrien unter versierten Setzern.

Der Schusterjunge ist in gewisser Weise mit dem Hurenkind verwandt, denn er leidet unter dem gleichen Schicksal, jedoch in umgekehrter Form. Der erste Satz eines Absatzes leitet also ein Thema ein und prompt kommt es zu einem Seiten- oder Spaltenumbruch. Dann haben wir einen Schusterjungen. Beides gilt es zu vermeiden und eine korrekt eingestellte Silbentrennung kann schon wahre Wunder bewirken, und wer schon jetzt vergessen hat, wer von beiden wer ist: Dieser Merkspruch hilft, den typografischen Fehler beim Namen zu nennen: “Ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt, ein Schusterjunge nicht, wo er hingeht.”

schusterjunge

4. Abkürzen – aber richtig: Abkürzungen waren und sind schon immer ein Mittel, um es kurz zu machen. Egal, ob in offiziellen E-Mails oder kurzen Statements per Instant-Messenger – Abkürzungen beschleunigen unser Leben und jeder versteht sie. Aber manche nehmen das “Kürzen” dann doch etwas zu ernst und vergessen jede Form korrekter Schreibweisen. Schöner ist also ihr Auftritt, wenn man sie richtig setzt, und damit meine ich nicht nur in Szene. Häufig werden nämlich Groß- und Kleinschreibung sowie Leerräume einfach übergangen. Die Mehrwertsteuer wird zum Beispiel mit teilweise großen und teilweise kleinen Buchstaben abgekürzt: “MwSt.” Und wo wir gerade beim Beispiel sind: Aus der langen Form “zum Beispiel” wird die Kurzform “z. B.” mit entsprechendem Leerraum. Aber nicht jede Abkürzung endet mit einem Punkt, zum Beispiel wird die Flächenangabe Quadratmeter mit den zwei Buchstaben “qm” abgekürzt. Ein Blick ins Netz, wie richtig gekürzt wird, lohnt sich!

abkuerzung

5. Schriftentgleisungen: Zugegeben, hierbei handelt es sich weitestgehend um eine recht subjektive Meinung, schließlich hat jede Schrift ihre eigene Daseinsberechtigung. Dennoch hat sich flächendeckend unter Gestaltern und Designern eine einheitliche Meinung gebildet, denn es gibt tatsächlich Schriften, die einfach unmöglich sind und nicht verwendet werden sollten. Egal, wie gut die Absichten sind! Tabellenerste in dieser Kategorie ist ganz sicher die Comic Sans MS – als kostenloser Font erfreut sie sich weltweiter Beliebtheit, aber hier ist es zwingend notwendig, den Kontext zu beachten. Kindergeburtstag? Okay. Warnmeldung, Headlines oder Urkunden? Bitte nicht! Hierzu gehören auch Schriften wie Papyrus, die einfach an Kitsch, Leseunfreundlichkeit und Irritation nicht mehr zu überbieten sind. Auch Schriften wie die Wide Latin, Mistral, Curlz MT oder die technisch anmutende slab serif: Courier New sind mit Vorsicht zu genießen. Wichtig ist: Die Schrift muss zum innovativen Design passen und man sollte unbedingt den Zusammenhang beachten, in dem sie verwendet wird. Bleibt also zu sagen: Es ist nicht alles Gold, was Typografen hervorbringen.

comic-sans




Ihr Browser ist leider veraltet, oder sie haben Javascript deaktiviert!

Um die bestmögliche Darstellung unserer Seiten zu gewähren, empfehlen wir Ihnen ein Updates Ihres Internet-Browsers durchzuführen. Oder Javascript zu aktivieren.